
(ENG)
Tobias Schreiber’s artistic practice is driven by a persistent question: how can equilibrium be created in a world defined by fragmentation?
For over a decade, this question has taken shape in an evolving body of work titled “Equilibrium”, a long-term exploration of balance between opposing forces: order and chaos, control and coincidence, photography and painting, analog and digital perception. What began in 2011 in New York has since evolved into a continuously growing body of work rather than a fixed series.
Rooted in political and religious studies, Schreiber’s practice investigates the systems beneath the visible, where symbols, structures and cultural patterns intersect. His works do not seek to simplify complexity, but to make it visible. Alongside Equilibrium, he develops independent yet interconnected series: abstract color fields that exist both as physical paintings and digital constructs; drawings of archetypal figures — big cats, astronauts, hybrid beings, that move between instinct and projection; and conceptual works that transform everyday symbols into carriers of meaning.
Central to his practice is a project-based approach. Each idea is pursued until it fully unfolds, whether as large-scale urban interventions, immersive exhibition formats, or works like “100,000 Times Luck”, composed of over 100,000 coins, his first artwork as part of a permanent museum collection. In these works, value systems are not only revealed, but deconstructed, challenged, and reconfigured.
Schreiber moves fluidly between disciplines, scales and contexts, from street to institution, from drawing to spatial installation. His work reflects a contemporary condition in which boundaries dissolve, yet meaning remains in flux.
What emerges is an artistic practice that does not offer fixed answers, but proposes a way of navigating complexity: by continuously searching for balance, and by understanding equilibrium not as a state, but as an ongoing process.
(DEU)
Tobias Schreibers künstlerische Praxis wird von einer zentralen Frage getragen: Wie lässt sich in einer von Fragmentierung geprägten Welt ein Gleichgewicht herstellen?
Seit über einem Jahrzehnt nimmt diese Fragestellung Gestalt an, in einem fortlaufenden Werkkomplex mit dem Titel “Equilibrium”, einer langfristigen Auseinandersetzung mit dem Spannungsfeld gegensätzlicher Kräfte: Ordnung und Chaos, Kontrolle und Zufall, Fotografie und Malerei, analoge und digitale Wahrnehmung. Was 2011 in New York begann, hat sich zu einem kontinuierlich wachsenden Werk entwickelt.
Verwurzelt in einem Studium der Politik- und Religionswissenschaften untersucht Schreiber die Systeme unterhalb des Sichtbaren, dort, wo Symbole, Strukturen und kulturelle Muster aufeinandertreffen. Seine Arbeiten zielen nicht darauf ab, Komplexität zu vereinfachen, sondern sie sichtbar zu machen. Parallel zu Equilibrium entwickelt er eigenständige und zugleich miteinander verbundene Werkgruppen: abstrakte Farbfelder, die sowohl als physische Malerei als auch als digitale Konstruktionen existieren; Zeichnungen archetypischer Figuren — Großkatzen, Astronauten, hybride Wesen, die zwischen Instinkt und Projektion oszillieren; sowie konzeptuelle Arbeiten, die alltägliche Symbole in Bedeutungsträger verwandeln.
Im Zentrum steht eine projektbasierte Arbeitsweise. Jede Idee wird so lange verfolgt, bis sie sich vollständig entfaltet, sei es in großformatigen urbanen Interventionen, immersiven Ausstellungsformaten oder in Arbeiten wie “100.000 mal Glück”, bestehend aus über 100.000 Cent-Münzen und heute Teil einer musealen Dauerausstellung. In diesen Werken werden Wertesysteme nicht nur sichtbar, sondern dekonstruiert, hinterfragt und neu geordnet.
Schreiber bewegt sich dabei zwischen Disziplinen, Maßstäben und Kontexten, von der Straße zur Institution, von der Zeichnung zur räumlichen Installation. Seine Arbeit spiegelt eine Gegenwart, in der Grenzen zunehmend verschwimmen und Bedeutung in Bewegung bleibt.
So entsteht eine künstlerische Praxis, die keine festen Antworten liefert, sondern eine Haltung vorschlägt: Komplexität zu begegnen, indem Gleichgewicht immer wieder neu gesucht wird und als fortlaufender Prozess verstanden wird, nicht als statischer Zustand.